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HTC U11 im Test: Groß, stark und scharf

HTC hat sein neues Top-Modell vorgestellt. Das HTC U11 soll mit einer erstklassigen Kamera punkten, kommt mit dem neuen Google Assistant und wird gerne gedrückt. Wir haben es für euch ausprobiert. Das Testsample haben wir kostenfrei erhalten.

Das HTC U11 ist wieder ein mal groß. Das 5,5 Zoll messende Display ist keineswegs das, was zuletzt so gern als randlos bezeichnet wird. In der Folge hat man ein ausladendes Telefon in der Hand. Es ist etwa so groß wie das iPhone 7 Plus. Was kann das Flaggschiff?

 

Die Spezifikationen

Das HTC U11 ist zeitgemäß ausgestattet und lässt performancetechnisch kaum Wünsche offen. Es wird vom aktuellen Qualcomm Snapdragon 835 angetrieben, ein OctaCore-CPU. Jeweils vier Kerne rechnen mit 2,45 GHz, die anderen vier Rechenwerke haben einen Systemtakt von 1,8 GHz. Ihnen stehen vier GB Arbeitsspeicher zur Seite. Das HTC U11 kommt mit 64 GB verbautem Speicher, ab Werk sind etwa 54 GB nutzbar. Der Speicher ist mittels micro-SD-Karte erweiterbar, sofern der Nutzer darauf verzichtet eine zweite SIM einzulegen.

Das Display misst 5,5 Zoll und löst mit 1.440 x 2 560 Pixel auf. HTC setzt auf Gorilla Glass 5. Die Hauptkameralinse (12,0 Megapixel) ist auf der Rückseite oben mittig untergebracht. Die Frontkamera löst sogar mit 16 Megapixeln auf. Das HTC U11 unterstützt neben 2G und 3G LTE mit bis zu 800 MBit/s im Downlink. Dabei werden alle derzeit in Deutschland gebräuchlichen Bänder unterstützt und ferner auch die Frequenzen um 700 und 800 MHz, welche künftig vermehrt von Bedeutung sein werden. Mit 153,9 mm x 75,9 mm x 7,9 mm fällt das Flaggschiff recht groß aus und ist mit seinen 169 Gramm auch nicht eben leicht. Das HTC U11 ist nach der IP67-Norm gegen Spritzwasser geschützt.

 

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Erste Eindrücke

Wie sein Vorgänger versucht der Setup-Assistent uns zu einem Login mit unserem HTC-Konto zu überreden. Wie zuvor überspringen wir das. Wir sind bereits Teil der Google-Cloud und sehen keinen Grund für unzählige weitere Accounts bei diversen Hardwareherstellern. Wer sich das HTC U11 als primäres Smartphone zulegt, wird hier vielleicht anders entscheiden. Wir glauben aber, alle relevanten Funktionen wie Synchronisation und Backup von Nutzerdaten sollten die Google-Dienste hinreichend gut erledigen. Der Assistent bietet auch an einige besonders häufig genutzte Apps zu installieren, eine Funktion, die wir auch ausprobiert haben. Zunächst muss aber natürlich ein Google-Konto hinzugefügt werden.

Das Nutzererlebnis ist flüssig. Die Sense-Oberfläche reagiert superschnell, beim Blättern von Home Screen zu Home Screen bewegen sich die animierten Blasen im Hintergrund etwas schneller. Dank des schnellen Prozessors geht auch der App-Start fix. Der Browser lädt den TechnikSurfer zügig. Unterhalb des Displays ist der längliche Fingerabdruckleser zu finden. Dessen Einrichtung ist intuitiv und der Leser entsperrt das Smartphone nahezu augenblicklich.

 

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Verarbeitung

HTC liefert gewohnt gute Qualität. Das HTC U11 ist hervorragend verarbeitet, nirgends gibt es merkbare Spaltmaße. Der haptische Eindruck ist wertig und angenehm. Weniger angenehm ist, dass das Smartphone Fingerabdrücke geradezu magnetisch anzieht. Die Hauptkamera auf der Rückseite ist mittig eingesetzt und steht etwas aus dem Gehäuse heraus, nicht so weit wie beim iPhone 7, aber doch merkbar. Wir wissen, dass es auch im Spitzensegment anders geht.

Die seitliche Power-Taste wirkt etwas klein, dafür fällt die Lautstärkewippe um so länger aus. Sehr positiv fällt der USB-C-Anschluss auf. Wer bereits andere USB-C-Ladegeräte hat, kann auf ein weiteres Netzteil in den heimischen Steckdosen verzichten. Das mitgelieferte Headset wird zwar auch in den USB-C-Port eingesteckt, ist aber leider nicht bei anderen USB-C-Geräten nutzbar, was schade ist. Es wirkt zudem äußerst billig. Das ist etwas befremdlich, hatte HTC doch lange auf ein herausragendes Klangerlebnis bei seinen Smartphones gesetzt.

 

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Nutzung im Alltag

Die HTC-Oberfläche tut dem Android-Erlebnis nicht zu sehr weh. Ab Werk sind eine ganze Reihe an Apps installiert. Wie immer sind einige Titel durchaus verzichtbar, es bleibt aber genug Speicher für Fotos und Apps übrig und die vorinstallierten Anwendungen können auch wieder entfernt werden. Das Display ist angenehm hell, wenn auch der Bildschirm eines iPhone 6 im direkten Vergleich etwas heller wirkte. Die Blickwinkelstabilität ist nicht optimal, nach oben und unten wird das Display deutlich dunkler. Im Vergleich mit dem iPhone zieht das HTC U11 hier den Kürzeren.

Ein recht praktisches Feature ist der druckempfindliche Rahmen. Edge Sense nennt HTC das. Durch Zusammendrücken des Geräts in der Hand können verschiedene Aktionen ausgelöst werden. Wie doll man drücken muss, legt der Nutzer beim Einrichten der Funktion fest, das geht sehr intuitiv. Standardmäßig startet ein kurzer Druck die Kamera. Ein weiteres Knuddeln knipst ein Foto, das durch das Drücken bei uns allerdings faktisch zwingend verwackelt. Immerhin, schneller lässt sich die Kamera kaum öffnen. Edge Sense kann recht frei mit Funktionen belegt werden, so kann auf diese Weise auch die Taschenlampe eingeschaltet werden. Wir haben auf einen langen Druck Googles neuen Assistenten gelegt.

 

Der neue Assistent

Das HTC U11 kommt mit Googles neuem Sprachassistenten Google Assistent daher. Dieser ist nun endlich auch auf Deutsch verfügbar und die Einrichtung ist nicht länger zermürbend und kompliziert. Was kann er? Häufig wird Siri als die am langsamsten lernende Assistentin bezeichnet. Tatsächlich scheitert sie bei mehrstufigen Aufgaben und auch bei Wissensfragen regelmäßig. Viel zu oft ist das einzige Ergebnis eine Websuche. Googles Assistant ist hier ein bisschen besser, aber nicht überragend. Die Frage nach dem Termin der nächsten Bundestagswahl beantwortet er souverän, während Siri hier patzt. Eine Frage nach politischen Funktionsträgern und deren Amtszeiten der letzten Jahrzehnte läuft hier genau so in die unvermeidliche Websuche. Es ist immer der letzte Schritt, wenn den Assistenten nichts mehr einfällt. Das ist auch bei Google noch recht oft der Fall. Die Aussprache klingt angenehm und natürlich, man hört dem Assistenten gern zu, sofern die Antworten zufriedenstellen.

 

Die Kamera

Die Kamera des HTC U11 wird in vielen Rezensionen bejubelt. Wir fragen uns ein wenig, wieso. HTC hat eine sehr gute Kamera verbaut, das ist unbestritten. Doch kann sie sich deutlich von Kameras anderer Spitzen-Smartphones absetzen? Wir sahen das in unserem Test nicht. Das HTC U11 trat bei einigen Test-Aufnahmen gegen ein iPhone 6 und ein iPhone 7 Plus an. Im Vergleich zwischen dem HTC U11 und dem iPhone 6 fällt auf, dass das HTC einen etwas besseren Weißabgleich schafft. Das Bild des iPhone 6 wirkt hier etwas „gelbstichiger“ (zu sehen vor allem an der eigentlich weißen Wand). In den Details fällt auf, dass das HTC im ersten Detailsbild mehr Details darstellen kann, im zweiten Foto wiederum das iPhone 6.

 

 

Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Bilder in einem Abstand von zirka 50 cm aufgenommen wurden, wodurch beide Smartphones unterschiedliche Bereiche scharf gestellt haben. Das HTC U11 und das iPhone 6 stellen das Bild eher warm dar, das iPhone 7 Plus etwas kühler. Beim Detailreichtum sind wenige Unterschiede zu erkennen. Enttäuscht hat uns die Möglichkeit, Fotos statt in JPEG in Rohdaten aufnehmen zu können. Im Bild ist extrem viel Bildrauschen zu erkennen, das wir softwareseitig nur ungenügend entfernen konnten. Auch ist deutlich weniger Zeichnung in den Wolken zu erkennen. Ein enormer Vorteil von Rohdaten ist die Möglichkeit, die Belichtung eines Bildes hinterher signifikant verändern zu können. Bei modernen Spiegelreflex-Kameras sind gut und gerne bis zu zwei Blenden drin. Das ist eine ganze Menge. Beim HTC U11 war bei uns bei einer halben Blende Schluss. Mehr war aus dem Foto nicht herauszuholen.

Da die Kamera-Apps moderner Smartphones bereits eigenständig recht umfangreiche Bearbeitungen an den Bildern vornehmen, fällt ein Vergleich, etwa mit einer Spiegelreflex-Kamera, schwer. Nach wie vor sind die Bildsensoren auch älterer Spiegelreflex-Kameras deutlich größer als in den aktuellen Top-Smartphones.
Insgesamt (vom schlechten Eindruck der Rohdaten einmal abgesehen) besticht das HTC U11 durch eine sehr gute und brauchbare Kamera, die sich nicht hinter der des iPhone 7 Plus verstecken muss.

 

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QuickCharge in der Praxis

Es heißt bekanntlich, mit der Dauer der Zeit nehme die Seele die Farbe der Gedanken an. Beim HTC U11 wird es dazu wohl so schnell nicht kommen. HTC hat QuickCharge in der Version 3.0 verbaut, aber lädt man damit ein Smartphone wirklich schneller? Wir haben es ausprobiert. QuickCharge soll ja vor allem in kurzer Zeit viel Saft ins Smartphone pumpen, die letzten Prozente dauern bekanntlich immer am längsten.

Wir starteten den Ladezyklus mit einem komplett entleerten, ausgeschalteten HTC U11. Nach 37 Minuten erreichte der Ladestand 50 Prozent. Nach 65 Minuten war die Batterie zu 80 Prozent geladen. Fast voll, nämlich zu 95 Prozent , war der Akku nach 95 Minuten. Die letzten fünf Prozent haben dann allerdings noch mal vergleichsweise lange 15 Minuten gedauert. Ist QuickCharge 3.0 also wirklich ein Turbolader? Zumindest hat der Nutzer vergleichsweise rasch wieder genug Saft im Schwung, um erst mal weiterarbeiten zu können.

 

Telefonie

Während die Smartphones immer raffinierter werden, verzichten wir bei keinem Test auf die Beantwortung einer ganz grundlegenden Frage:
Kann man damit auch telefonieren? Ja, man kann. Die Sprachqualität des HTC U11 ist sowohl beim Anrufer, als auch beim Angerufenen, einwandfrei. HD Voice wurde bei unseren Testanrufen im Netz der Deutschen Telekom gut abgebildet. Die maximale Hörerlautspärke des HTC U11 könnte etwas lauter sein. Die Freisprechen-Funktion erbrachte bei Anrufer und Angerufenem gute Ergebnisse. Gesprächspartner in einem Radius von etwa zwei Metern um das Gerät herum waren auf der anderen Seite gut zu verstehen.

 

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Fazit

Das HTC U11 ist ein technisch hervorragend ausgestattetes Smartphone. Im HTC U11 steckt ein bärenstarker Prozessor und eine schnelle, scharfe Kamera mit kleinen Schönheitsfehlern. Das Nutzererlebnis überzeugt durch intuitive Ideen wie Edge Sense.

Beim HTC U11 haben wir nicht das Gefühl, dass Hardwareingenieure Funktionen ohne jeglichen praktischen Nutzen im Drogenrausch ausgedacht haben. Nun gut, das Abdrücken der Kamera durch Zusammendrücken ist nicht unbedingt die gewinndringendste Methode ein Foto zu schießen. Mit einem etwas randloseren Display und damit kompakterer Bauform wäre das Flaggschiff nicht ganz so klobig. Bei all diesen Vorzügen bleibt im Grunde nur ein großes Fragezeichen: Wer wird den recht hoch angesetzten Preis zahlen? HTC ruft hier 749 Euro auf. Es werden passionierte HTC-Enthusiasten sein, die das HTC-Design bereits lange kennen und schätzen. Vielleicht werden es auch Vertragsneukunden oder Vertragsverlängerer sein, die das HTC U11 vergünstigt erhalten können. Werden es Smartphone-Nutzer ohne differenzierte Präferenzen sein? Höchst wahrscheinlich nicht.

Mit Material von Alexander Bergmann

HTC U11 Smartphone (13,97cm (5,5 Zoll), Alexa ready, 16 MP Frontkamera, 64GB Speicher, Android) Brilliant Black
  • 64 GB Gesamtspeicher, erweiterbar bis 2TB
  • 16 MP mit UltraPixel Frontkamera
  • 2,45 GHz Quad-Core Qualcom Snapdragn 835 Prozessor
  • Wasserdicht IP67; Integrierte Alexa-Funktionalität
  • 5.5 Zoll Quad HD Gorilla Glass 5 Display

Letzte Aktualisierung am 20.08.2017, es gilt nur der aktuelle Preis, welcher direkt bei Amazon angezeigt wird. Alle Preise ohne Gewähr und ohne Versandkosten. Bilder von der Amazon Product Advertising API. Alle Links sind Affilate Links

Design
16out of 5
Verarbeitung
20out of 5
Geschwindigkeit
20out of 5
Bedienbarkeit
16out of 5
Klang
16out of 5
Features
16out of 5
Akkulaufzeit
16out of 5
Preis
8out of 5
Preis-Leistung
12out of 5

Zusammenfassung

Mit dem U11 hat HTC sein neues Top-Modell ins Rennen geschickt. Es soll vor allem mit einer leistungsfähigen Kamera und starker Performance punkten. HTC verbaut aber auch einige Extras, die die Nutzung im Alltag intuitiver machen sollen. Außerdem ist der neue Assistent von Google an Bord. Machen diese Eigenschaften das Smartphone zu einem Must-Have-Device?

3.8

3.8 out of 5
Gut

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Roman van Genabith

Roman van Genabith

Editor [Markets, Mobile, Media]


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